Letztens haben wir uns gefragt: Wie weit muss man eigentlich gehen, um ein gutes Sandwich zu machen? Also nicht „Wo bekommen wir eines”, sondern „Woher kommen all die Zutaten, und wie nahe dran am Erzeuger kann man eigentlich sein?”
Lustig? Klar. Absoluter Overkill? Auf jeden Fall. Teurer als ein Sandwich sonst wäre? Immer. Und, natürlich, wohnt nicht jede:r in so einer gediegenen Lage wie ich und hat, Zufall, alles so nahe bei der Hand.
Täglich Brot
Das Brot war in der Tat fast das Schwerste. Ja, wir hätten einen Bäcker (Hasi’s) 800m die Straße runter, aber dieser ist – wie viele seiner Art dieser Tage – ein Aufback-Bäcker, kein Handwerksbetrieb. Und wo deren Zeugs herkommt, das kann ich nur raten.
Um einen Laib Sauerteigbrot zu backen, braucht es Mehl, Wasser, Sauerteig-Anstellgut („Starter”) und Salz. Der Starter wird auch wieder mit Mehl und Wasser hergestellt. Wir haben zur Beschleunigung auch noch Honig vom Imker um’s Eck (1,2 km) dazugegeben. Wie weit seine Bienen geflogen sind, um den Honig herzustellen, das weiß ich leider nicht.
Mehl und Schrot kamen von der Mühle im Ort. Da diese Weizen aus den Niederlanden und Spanien vermahlen, haben wir, mit deren Einverständnis, eine Kiste Weizen aus dem nächsten Kaff sauteuer gekauft und angefahren und dieses als „Special Batch” laufen lassen. Hätten das Mahlen auch zu Hause machen können, aber eine Steinmühle ist gerade nicht im Budget.
Ei ei ei…
Eier für die Mayonnaise und die Eier für den Eiersalat selbst haben wir an diesem Tag frisch vom Bauern abgeholt. Gutes Zeichen: Wenn man aus dem Bus aussteigt und fast auf ein Huhn tritt, dann sind die wirklich freilaufend. Öko nicht nur für’s Tugendsignal, sondern weil’s dann auch einfacher geht mit der Mayo und der Eiersalat ein bisschen besser schmeckt.

Für’s Rapsöl mussten wir noch einmal zurück zur Mühle, das pressen die nämlich auch, und tollerweise von einem Raps aus dem Nachbardorf. Also (und hier musste etwas Akrobatik betrieben werden) von unserer Dorfgrenze zu deren Dorfgrenze sind es 7,9 Kilometer. Praktisch sind es 12 Luftlinie und 22 mit dem Bus von uns zum Rapsbauern. Für die Säure in der Mayo und im Salat haben wir uns für in unserem Garten gezogene Mini-Zitronen und Apfelessig vom Apfelbauern im Ort entschieden.
Münchner Senf wird u.A. hier in der Gegend angebaut, aber wir haben eine Sinapis alba Pflanze im Gewürzgarten des Restaurants. Im Airfryer auf „Dehydrate” angetrocknet, dann eine Woche nachtrocknen lassen. Leicht angeröstet (Sinapis alba ist eher süß), gemahlen, fertig. Wer sich jetzt fragt, ob wir wirklich eine ganze Woche auf unser Sandwich warten mussten … Nein! Es waren acht Wochen.
Statt Pfeffer haben wir Kapuzinerkresse eingesetzt. Schmeckt fast genauso, kann angebaut werden, und weil sie in ein paar Gerichten schon genutzt wird, hatten wir die zur Hand. Kleiner Nebenschauplatz: Den ersten Sätling haben wir damals bei einer Wanderung im Allgäu mitgenommen, also hat die Pflanze vor zwei Jahren mal eine 200-km-Reise gemacht. Aber ich denke zwei Jahre lassen das verjähren.
Der Meerrettich ist in Bayern ja fast schon ein Wildling, extrem einfach anzubauen, und dann muss man eher aufpassen, dass er sich nicht zu sehr verbreitet, als dass man ihn pflegen muss. Armoracia rusticana ist die bayerische Art, und vor Jahren haben wir den mal beim Bauern geschenkt bekommen (die „Urwurzel”, auch Fechser genannt), und seitdem ist unser Meerrettich immer frisch.
Also hier mal das Rezept (Zutaten! Brauchst Du wirklich ein Rezept für Eiersalat?):
4 Freilandeier (hart gekocht)
3 Esslöffel Rapsöl (kalt gepresst, bayerisch)
1 Teelöffel Apfelessig (naturtrüb)
1 Teelöffel Senf aus dem Garten (süß/mittelscharf)
0,5 Teelöffel Salz – siehe unten
1 Teelöffel frischer Meerrettich (gerieben)
2 Esslöffel Schnittlauch (frisch, aus dem Garten)
4 Sauerteigbrote aus Bayernweizen (selbstgebacken)
6 Kapuzinerkresse (Blätter, optional Blüten obendrauf)
Der verwendete Strom kam zu 100 % aus der PV auf dem Dach. Gesamtkosten für dieses Sandwich sind dann schon 14€, aber wenn wir mehr als zwei Scheiben machen, dann verlagert sich das schnell runter auf weniger als 1€ pro Scheibe. Das Salz kam übrigens von einem Berchtesgadener Salzstein, den wir abgerieben haben, also ist der mal vor 12 Jahren 140 km gereist. Denke, das gilt auch noch.
Aber ganz ehrlich, uns ging es hier nicht darum, dass das „normal” sein muss. 100 km sind auch noch OK, sondern dass es geht. Man muss nicht enorme Lieferwege und die damit verbundenen Umwelt- und Sozialprobleme in Kauf nehmen, man kann auch lokal agieren. Geiles Experiment, tolle drei Tage Planung und Ausführung, und prima Abendessen danach (das 40-km-BBQ, kommt auch noch).



Eine Antwort verfassen