War das alles? Das Condesa am Hauptbahnhof in München

In sei­nem Roman von 1921, „Der Unsicht­ba­re Mann” schrieb Wal­ter Tasch von einem Mann, der so unschein­bar, so durch­schnitt­lich war, dass er schon fast unsicht­bar wur­de. Als Auf­trags­mör­der für den Chi­ca­go Mob war das natür­lich sehr hilf­reich, für einen Taco hingegen…

Ich hät­te das Con­de­sa ger­ne ver­linkt, aber weder „con​de​sa​-authen​tic​-mexi​can​-tas​te​-muen​chen​.de” noch „vamo​sa​con​de​sa​.com” reagie­ren zur­zeit auf Anfra­gen. Komisch, für den, laut Tri­p­ad­vi­sor, zweit­bes­ten, Schnell­im­biss der Stadt.

Pas­tor, Fla­co (vege­ta­risch) und Ami­go (Rind)

Wir bestell­ten den Taco Pas­tor („scharf, bit­te”, 4,90€), den vege­ta­ri­schen „Fla­co” (3,80€) und den auf Rind­fleisch basie­ren­den „Ami­go” (4,60€). Nach schnel­ler Zube­rei­tung summ­te auch schon der Pager, Plus­punk­te für schnel­le Bereit­stel­lung („Schnell­im­biss” hat das ja schon im Namen) und die Tat­sa­che, dass der vege­ta­ri­sche Taco doch deut­lich bil­li­ger ange­bo­ten wird als die, schwer an der Ober­gren­ze des Akzep­ta­blen lie­gen­den, fleisch­ba­sier­ten Varianten.

Was alle drei Tacos gemein hat­ten, war dann aber auch der größ­te Malus unse­res Besu­ches: abso­lu­te Geschmacks­neu­tra­li­tät und qua­li­ta­ti­ves Mit­tel­maß. Die Tor­til­las (dou­ble-stack) hat­ten kaum den eigent­lich so schö­nen Nix­tamal-Eigen­ge­schmack, das Fleisch ver­such­te sich in sei­nem bes­ten „unsicht­ba­rer Geschmack”-Cosplay (und die Al Pas­tor waren so mild, ich wür­de sie einem Klein­kind in die Hand drü­cken), und weder Sal­sa noch Cre­ma hin­ter­lie­ßen irgend­ei­nen Eindruck.

Da ist es fast schon als Upgrade zu sehen, dass der vege­ta­ri­sche „Fla­co” immer­hin eine Impres­si­on hin­ter­ließ, wenn auch kei­ne gute. „Komi­scher Geschmack” merk­te mei­ne Beglei­tung an, und es war in der Tat so, dass hier dem Koch wohl die, beim Fleisch feh­len­de, Würz­mi­schung aus­ge­rutscht sein musste.

Das Con­de­sa am Haupt­bahn­hof war die ers­te der inzwi­schen in zwei wei­te­ren Loca­ti­ons ver­tre­te­nen Grup­pe. Stellt sich die Fra­ge, ob die­se Art des geschmack­lo­sen Tacos irgend­wie den Zeit­geist der Münch­ner trifft, oder die Ket­te seit der Expan­si­on nach­ge­las­sen hat. Heu­te, jeden­falls, ist von einem inspi­rier­ten Gericht lei­der kei­ne Spur. 

Condesa am Hauptbahnhof

Essen
Preis
Vibe

Bahn­hofpl. 5, 80335 München-Maxvorstadt

https://​www​.vamo​sa​con​de​sa​.com/