C3 und C4 – warum Mais so besonders ist…

Der „Rubisco Fehler”

Die meis­ten Pflan­zen fixie­ren CO₂ direkt über ein Enzym namens RuBis­CO (Ribulose‑1,5‑bisphosphate carboxylase/oxygenase). Das Pro­blem: RuBis­CO ist ein Fos­sil aus einer Zeit, als die Atmo­sphä­re kaum Sau­er­stoff ent­hielt. Es kann CO₂ nicht per­fekt von O₂ (Sau­er­stoff) unterscheiden.

Wenn es warm wird, dann hat die Pflan­ze ein Pro­blem: Um CO₂ auf­zu­neh­men, muss sie Poren öff­nen. Jede Poren­öff­nung kos­tet sie aber eine klei­ne Men­ge Was­ser, etwas, das in der beson­ders war­men Zeit nicht ganz so abun­dant ist. 

Dadurch steigt der O2-Gehalt im Blatt­in­ne­ren an. RuBis­CO beginnt nun, O2 statt CO2 zu bin­den – ein Pro­zess namens Pho­to­re­spi­ra­ti­on. Das ist pure Ener­gie­ver­schwen­dung: Die Pflan­ze ver­brennt dabei bereits pro­du­zier­te Zucker, anstatt neue aufzubauen.

Die „Mais Lösung”

Mais hat die­sen Pro­zess ent­kop­pelt. Das geschah teils durch natür­li­che Muta­ti­on und teils durch selek­ti­ve Zucht der ertrag­rei­che­ren Sor­ten vor ca. 3000 Jah­ren. Das ist wie die Tren­nung von Waren­an­nah­me und Pro­duk­ti­on in einer Fabrik. Mais hat ein spe­zia­li­sier­tes Enzym (PEP-Car­boxyla­se) in den Meso­phyll­zel­len, wel­ches CO₂ extrem effi­zi­ent ein­fängt, selbst wenn die Kon­zen­tra­ti­on in der Luft sehr gering ist. Es bin­det das CO₂ in einer Ver­bin­dung mit 4 C‑Atomen (daher „C4”).

Die­ses C4-Mole­kül wird wie ein Shut­tle in tie­fer gele­ge­ne Zel­len trans­por­tiert, die soge­nann­ten Bün­del­schei­den­zel­len. Dort wird das CO₂ wie­der frei­ge­setzt. Die Kon­zen­tra­ti­on in die­sen Zel­len ist jetzt so hoch, dass die RuBis­CO kei­ne ande­re Wahl hat, als effi­zi­ent zu arbei­ten. Sie wird buch­stäb­lich mit CO₂ geflu­tet, sodass der Sau­er­stoff-Feh­ler gar nicht erst auf­tre­ten kann.

Da die Pho­to­re­spi­ra­ti­on fast voll­stän­dig unter­bun­den wird, kann der Mais sei­ne Ener­gie voll in das Wachs­tum von Bio­mas­se und die Ein­la­ge­rung von Stär­ke im Korn ste­cken. Und weil der Mais das CO₂ so viel effek­ti­ver auf­grei­fen kann, muss er sei­ne Spalt­öff­nun­gen nicht so oft und so lan­ge öff­nen wie ande­re Pflan­zen. Er gedeiht damit bes­ser in trock­ne­ren Regio­nen und wird extrem „fett” in nor­mal feuch­ten Gegenden.

Und genau des­halb ist Mais so eine wun­der­ba­re, inter­es­san­te, und domi­nan­te Pflan­ze. Als Ener­gie­trä­ger ist er fast unschlag­bar. Man kann fast sagen, dass anders als ande­re Pflan­zen, der Mais nicht kul­ti­viert wur­de son­dern, durch eine Muta­ti­on, einen Weg gefun­den hat, sich die Mensch­heit als Ver­tei­ler sei­ner Öko­do­mi­nanz unter­tan zu machen.