Unter dem Viadukt ist es trocken. Links und rechts davon macht der Himmel das, was er in Hamburg am besten kann, und lässt das Hamburger Schietwetter auf den Asphalt brettern. Der Isemarkt ist der einzige Markt der Stadt mit einem Dach, das nach Fahrplan fährt.
Ich liebe diesen Markt. Fast einen Kilometer Prozession aus Lebensmittelständen, den Dingen, die man früher Kolonialwaren nannte, bevor jemandem auffiel, wie das klingt, und Food Trucks. Seit über 75 Jahren wird hier dienstags und freitags angepriesen, wettergeschützt. Klar ändert sich das Angebot mit der Nachfrage, und über eine Auslagerung der langsam nervigen Food-Truck-Überwucherung wird nachgedacht. Aber für mich macht genau die Mischung den Reiz des Marktes aus. Neben dem Schnippel-Stand mit chinesischer Gemüseschäler-Billigware bekommt man hochwertiges Fleisch, stinkig-guten Käse, Fisch—und eben Tacos.

El Gallo ist einer von zwei Taco-Ständen hier. Kein Truck, sondern ein Karren hinterm Fahrrad. Das erzeugt sofort diese warmen Für-die-Umwelt-Gefühle, die man sich anderswo teuer erkaufen muss.
Es gibt auch vegetarisch, aber wir entscheiden uns für das Duo aus Birria und Biftec, mit Salsa Roja und Salsa Negra.

Beides ging schnell und kam (danke, danke, danke) auf weichen Mais-Tortillas, die nur auf der Plancha angewärmt wurden. Das klingt nach einer Nebensache, ist aber der Punkt, an dem sich in Deutschland fast alles entscheidet. Reiner Mais, kein Weizen, nichts aus der Mikrowelle, und das an einem Marktstand mit begrenzter Fläche und begrenzter Zeit. Wer sich das antut, der hat eine Entscheidung getroffen und nicht bloß eine Lieferantenliste abgearbeitet.
Beide Salsas waren nett, angenehm warm, nicht zu brutal. Der Roja gab ich den Vorzug, die hatte den Frische-Vorsprung.
Birria wird beim Tischservice oft und richtigerweise mit Consomé gereicht: eine Sauce aus langsam gekochten Fleischsäften, getrockneten Chilischoten wie Guajillo und Ancho, dazu Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten und warme Gewürze wie Kreuzkümmel, Zimt und Nelken. Im Taco Truck wird sie stattdessen über das Birria gegeben, so auch hier, und es schmeckte prima. Das ist eine erstaunliche Menge Arbeit für etwas, das in dreißig Sekunden gegessen ist.
Das Biftec war zart und geschmacklich eher verhalten. Es drängt sich nicht vor, spielt zweite Geige und lässt die anderen Zutaten das Solo haben und unterstützt gekonnt. In einem Taco ist das eine unterschätzte Qualität—nicht jede Zutat muss singen.
Die Mischung aus Consomé, Salsa und dem eher dunklen Fleisch gab uns den fast authentischen Geschmack Mexikos, ohne den angestrengten Versuch, die Tacos Instagram-tauglich aussehen zu lassen. Eine Kundin neben mir schien das etwas abzuschrecken. „Die schmecken besser als sie aussehen”, meinte sie. Aber ganz ehrlich: selbst diese Art Taco sieht immer noch besser aus als ein Mettigel. Ich mag Mett. Aber ein Igel aus rohem Schwein mit Zwiebelaugen ist eine Entscheidung, die irgendwann jemand im Vollrausch getroffen hat, und man sieht es ihm an.
Unser Urteil: große Wiederholungsgefahr. Saftig, frisch, spritzig, und gerade würzig genug, um den Gaumen zu erfreuen. Bei 4,50 € pro Taco ist sogar der Preis super—hier wird man für 9 € gut satt und hat noch Kohle über, um eine Zehennagelbürste am Stand nebenan zu erstehen.


