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kitchen:punk Tipp geben
Allgemein · November 2026

La Llorona – Mexikanisch in Bad Tölz

Hardshell, keine Überraschungen, und eine weinende Legende

Bekannt aus Funk und Fernsehen (na gut: aus „Mein Lokal, Dein Lokal“), sitzt La Llorona direkt an der Isar in Bad Tölz. Wie clever es ist, ein Lokal nach einer weinenden Kindsmörderin zu benennen, die der Legende nach nachts am Fluss umgeht, sei dahingestellt – immerhin hat man sich die Lage passend ausgesucht. Aber wir waren nicht gekommen, um alte mexikanische Sagen zu diskutieren, sondern um zu essen. Geweint wurde später trotzdem ein bisschen. Dazu gleich.

Den Anfang machte die Tapas-Platte (29 €), und die hat uns in unserem Entschluss, keine Garnelen-Tacos zu bestellen, rückhaltlos bestätigt: Die Garnelen schmeckten nach exakt gar nichts, der Rest rangierte irgendwo zwischen OK und absolut akzeptabel. Dann kamen unsere vier Tacos.

Bestellt hatten wir den Taco de Pollo mit Pulled Chicken, den Taco de Cerdo mit Pulled Pork, den Taco de Res mit Rind und den Taco de Verduras mit – genau – Gemüse.

Geliefert wurden die vier in Crispy Shells (seufz), aufgereiht in Taco-Haltern und positiv überladen. So sehr ich großzügige Küchen feiere: Bei Tacos gibt es so etwas wie zu viel des Guten, und die Grenze ist überschritten, wenn aus einem Gericht, das man mit den Händen essen können sollte, eines wird, für das man Messer und Gabel braucht. Also aßen wir die halbe Füllung mit der Gabel und falteten die Tortilla danach zum manuellen Verzehr – was bei den letzten beiden auch problemlos ging, weil sie inzwischen die Konsistenz eines gut eingeweichten Waschlappens hatten.

Womit wir beim zweiten Manko wären (dritten? Ich will die Großzügigkeit nicht unbedingt als Fehler verbuchen, eher als Meinungsverschiedenheit darüber, was ein Taco ist): die „Suppe“. Das Pico de Gallo tropfte, im Verbund mit anderen Ingredienzien, so heftig, dass die Tortillas nach wenigen Minuten nur noch aufgeweichter Teig waren. La Llorona weint eben. Schade, denn schmackhaft war das Ganze teilweise schon.

Am besten gefiel uns der Taco de Cerdo, dicht gefolgt vom Taco de Res. Der Pulled-Chicken-Taco war leider (den Garnelen nicht unähnlich) eher geschmacklos, und der Verduras machte enttäuschenderweise nicht einmal einen Alibi-Versuch, mich zum Vegetarier zu bekehren. Meine Mission bleibt also ungefährdet.

Geschmacklich waren die Tacos generell nicht schlecht (Verduras und das fade Chicken mal außen vor), aber sehr repetitiv. Zwischen Tapas-Platte und Tacos lag kaum ein Unterschied, und das Playbook war immer dasselbe: „Gefüllt mit Bohnenmus, Salat, <Hauptzutat>, Chili-Zwiebeln, Pico de Gallo und Granatapfelkernen; Sauerrahm und Mango-Mayo Topping“ – Zitat Speisekarte. Vier Tacos, eine Soße, null Überraschungen. Gut für mein altes Herz, schlecht für die Kulinarik.

Dabei wäre es so einfach und so viel interessanter, Salsa und Crema je nach Hauptzutat zu variieren: etwas mehr Frische ans Rind, etwas Fruchtig-Scharfes ans Pulled Pork, tiefere Rauchtöne und Schwere ans Chicken. Ein Taco ist schließlich kein Malen nach Zahlen, sondern eine Zelebration der Hauptzutat – und da sollte die Soße wenigstens wissen, mit wem sie unterwegs ist.

Trotz alledem hatten wir unseren Spaß, und auch wenn die Tacos nicht unbedingt einen Umweg über Bad Tölz rechtfertigen, haben wir unseren 62-€-Abend (mit Getränken) nicht wirklich bereut. Schade fanden wir nur, wie leicht es so viel besser hätte sein können: Pico de Gallo und Co. kurz abtropfen lassen, die Tacos nicht überladen, Softshell statt Hardshell (die Crocs unter den Tortillas), und etwas Abwechslung in Salsa und Crema, die Fleisch oder Gemüse gerecht wird, statt sie zu ertränken.

Kommen wir wieder? Eher nicht. Aber wenn der Hunger in Bad Tölz anklopft, kann man es auch deutlich schlechter erwischen als das La Llorona. Geweint wird hier zum Glück nur in der Tortilla.